Wanderweg: Steinkohlenbergbau am linken Niederrhein und Open Data

Es wird wieder Zeit für eine Fingerübung mit Google Maps: nach den Artikeln Jakobsweg in Rumeln (Touristik), Google Maps mit Rumeln (Sozialeinrichtungen), „Gotik und Google – ein Dreamteam“ (Kultur) und  „Schicht am Schacht am Niederrhein – Kohlenbergbau hat fertig“ (Bergbau),  soll heute ein Wanderweg entlang der Reste der alten Kohlezechen am linken Niederrhein beschrieben werden und wie man so eine Karte mit Open Data macht. (Das Bild ist „das Geleucht“ mit freundlicher Genehmigung der Stadt Moers).

Geleucht
Die Stadt Moers hat auf Ihrem Open Data Portal einen neuen Datensatz mit einem Bergbauwanderweg veröffentlicht und in den Formaten gpx, geoJSON und KML abgelegt. Da in Moers bekannt ist, dass ich KML-Fan bin, wurde ich auf Twitter extra geweckt:

TweetMoersIch habe mir also in in Google MyMaps eine neue Karte erstellt und den Original-KML-Datensatz geladen. Die Nutzung von Google My Maps ist kostenlos, man muss nur einen Google-Account haben. Wenn man die Karte veröffentlicht, sind die ersten 25.000 Kartenaufrufe am Tag kostenlos. Danach kosten je 1.000 Abrufe 0,50$ (Details hier).

Schnell sah ich, dass Zechen fehlten (Schacht Rumeln (wo ich her komme), Schacht Kaldenhausen, Schächte Niederberg III (Moers Kapellen) und IV (Tönisberg),  aber auch Rossenray, nördlich von Kamp-Lintfort.

Ich verlängerte also auf meiner Karte den Wanderweg (von 45,2 km auf 71,9 km), so dass jetzt ein Ring da ist, der durch wunderschöne Landschaft führt und wo man den wichtigen Schachtanlagen des Niederrheins vorbei kommt (ein paar fehlen noch, z.B. in Homberg). Ein bisschen habe ich den Weg auch geändert und meist versucht, ihn über Wege an den Feldern entlang statt an belebten Straßen zu führen. Der Weg ist sicherlich noch optimierbar. Für Hinweise bin ich dankbar.

Dann aber sah ich, dass keine Zechenstandorte eingetragen waren. Meist sieht man da ja auch nichts, aber die Pütts sind nun mal der Hauptzweck des Wanderwegs. Also sah ich in meinen Artikel Schicht am Schacht am Niederrhein – Kohlenbergbau hat fertig und machte mir ihn Excel eine Liste der Zechen mit einfachen Spalten:

  • Name der Zeche
  • Straße (einfach auf Google Maps auf den Standort des Hauptschachtes geklickt, da wird dann Straße und Ort angezeigt)
  • Ort (mit Postleitzahl in einer Zelle)
  • Wikipedia-Eintrag (Nur Link in die Excel-Zelle)
  • Sonstige Info als einfachen HTTP-Link in eine weitere Excel-Zelle geschrieben.

Die Excel-Datei kann man sich hier ansehen/downloaden: Zechen Niederrhein.xlsx

Die Excel-Datei habe ich dann in Google Maps hoch geladen in einen neuen Layer. Google Maps fragt dann, ob ich Koordinaten oder Adressen für die Ortsbestimmung will. Ich habe ihm dann gesagt, dass er die Spalten „Straße“ und „Ort“ nehmen soll. Und dann noch die Spalte „Name“ für den Namen des Markers. Dann lädt Google alles automatisch hoch, setzt Marker, die man anklicken kann und innen drin sind die anderen Informationen aus dem Excel-Sheet. Von Hand habe ich ihm Google dann noch gesagt, dass die Name auch Labels verwendet werden soll (bei einheitlicher Stil) und habe zwei wandernde Menschen als Symbol für den Ort der Zechen gesetzt (das Bergbausymbol war nicht so schön).

Das war alles. Keine Programmierung: nur Klicki-Klicki-Kram und Tabellenkalkulation (geht auch mit Open Source-Produkten). Und es sieht dann so aus: Voilà!

Die ganze Karte in Google Maps kann man hier klicken. Wenn man dann will, kann man die Layer (Route und Zechen) einzeln als KML-Dateien exportieren oder die ganze Karte. Das kann man in eigene Karten bei Google Maps oder Microsoft Bing Maps laden (bei Open Street Mao habe ich noch keinen KML-Import gesehen). Das kann man dann z.B. auch in Google Earth importieren und sich da mit Streetview die Gegend ansehen, wo man vorbei gehen will. Oder alles das dazu ansehen, was rechts und links des Weges zu finden ist. Damit ihr selber damit spielen könnt findet ihr die KML-Dateien hier:  Bergbauwanderweg.rar. Ist eine *.rar-Datei, da man bei WordPress KML „Aus Sicherheitsgründen nicht hochladen darf. Müsste mit WinZIP or equivalent auch downloadbar sein.

So bis hier hin war Spaß, jetzt kommt der Ernst des Lebens: Übungen.

Übung 1

Für eine gute touristische Offerte reicht natürlich der reine Weg und ein paar Ziele nicht. Was fehlt noch? Gaststätten, Sehenswürdigkeiten, ÖPNV-Verbindungen (Haltestellen), für hartgesottene auch Übernachtungsmöglichkeiten. Ihr mach also einfache Excel-Tabellen (or equivalent) für alle vier Kategorien. Total einfach, z.B. für Gaststätten:

Name Straße Ort Website Info Speisekarte
Lamershof Siebenhäuser 3 47906 Kempen keine weltbeste Hähnchen http://www.speisekarte.de/kempen/restaurant/gaststaette_lamershof/speisekarte

Die vier Layer bauen wir dann in die Karte oder eine neue ein und schenken die Karte der Stadt Moers und dem Rest der Welt. Fortgeschrittene dürfen sich einen Kopf machen, wie man Öffnungszeiten (einfach) in den Marker bekommt. Hinweis: bei Google Maps stehen die Öffnungszeiten vom Lamershof drin.

Übung 2
Noch weiter Fortgeschrittene/Entrückte dürfen sich Gedanken wie man die oben genannten Entitäten in ein semantisches Web rein bekommt. Was muss ich in eine Website reinschreiben, damit Maschinen meine Bedeutung erfassen können? Wie erkennt Watson, dass es um eine Restaurant oder eine Zeche geht? Wie kann er das zusammen saugen, dass das für Touristen ein noch besseres Wandererlebnis wird? Hinweise zum nachlesen hier Semantisches Web und für Ontologien auch Schema.org. Wenn es im ersten Schritt zu abstrakt ist, kann man auch in diesem Artikel starten: Semantic Web und Open Data (oder englische Version). Ansätze zur Lösungen können als Kommentar, als E-Mail oder sonst wo hingeschrieben werden mit Link in einem Kommentar. Zu gewinnen gibt es Weisheit.

Schlusswort

Warum schreibe ich das? Ich bin so wahnsinnig begeistert, wie Tag für Tag das Leben einfacher wird in der Computerei. Man muss nicht programmieren können, um tolle und nützlich Sachen machen zu können. An dem Beispiel habe ich gezeigt, wie einfach man mit Open Data tolle Karten machen kann, die für Touristen und den Tourismus nützlich sein können.

Go for it!

Update 25.9.2016
Zu Illustrationszwecken habe ich in eine Kopie der Bergbauwanderkarte noch Links auf 360-Grad-Fotos der  Moerser Innenstadt verlinkt, die die Moerser Firma telepano als Open Data bei der Stadt Moers zur Verfügung stellt. Dafür habe ich in der zu Grunde liegen-Excel-Datei 360moers_OpenData.xlsx die Rechts- und Hochwerte in ein maschinenlesbares Format und aus den Zahlen vollständige Links gemacht. Das vollständige Excelfile ist hier:  360moers0.xlsx Die Hauptarbeit war die Koordinatentransformation. Insgesamt weniger als eine Stunde.
Die KML-Datei für die Zechen ist buggy, deshalb hier das zugrunde liegende Excel-File: Zechen-Niederrhein.xlsx
Faul wie ich bin, lade ich lieber in kurzer Zeit ein paar Excel-Files nach Google Maps hoch, als Tage und Wochen bis tief in die Nacht zu programmieren. Aber jeder ist anders 🙂

Die „neue“ Bergbauwanderkarte mit den 360-Grad-Fotos der Moerser Innnestadt findet man auf Google Maps hier:
https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1j5rquVpU-PK22nHyFEgaaMYg6ZE&usp=sharing

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